Von kalten Gebäuden zum Klimaschutz: Wie rumänische Kommunen Fortschritte erzielen
Für Millionen von Menschen in Rumänien bedeutet Energiearmut mehr als nur hohe Energiekosten. Im Winter bleiben viele Wohnungen kalt, da die Heizungsanlagen nicht ausreichen und schlecht gedämmte Gebäude schnell Wärme verlieren. Schätzungen zufolge ist zwischen einem Drittel und fast der Hälfte der Bevölkerung davon betroffen. Gleichzeitig haben Kommunen im ganzen Land mit alten öffentlichen Gebäuden zu kämpfen, die Energie verschwenden und die lokalen Haushalte belasten. Da Gebäude rund 40 % des Energieverbrauchs der EU und 36 % der energiebezogenen Treibhausgasemissionen ausmachen, ist die Verbesserung ihrer Energieeffizienz für die Erreichung der europäischen Klimaziele unerlässlich geworden. Zwar setzen EU-Rechtsvorschriften wie die Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden ehrgeizige Ziele, doch fehlten vielen rumänischen Kommunen lange Zeit das Fachwissen, die finanziellen Mittel und die Planungsinstrumente, um diese Ambitionen in die Tat umzusetzen. Jetzt setzt der Wandel ein.
Pläne in Fortschritte umsetzen
Für viele Kommunalverwaltungen bestand die Herausforderung nie in mangelnder Bereitschaft. Vielmehr ging es darum zu wissen, wo man anfangen sollte. Der Energieverbrauch wurde häufig erfasst, weil dies gesetzlich vorgeschrieben war, doch die gewonnenen Informationen führten nur selten zu konkreten Maßnahmen. Sanierungsprojekte waren kostspielig und erforderten technisches Fachwissen, das oft nur in geringem Umfang vorhanden war. Den Kommunen fehlte zudem häufig eine langfristige Strategie, um zu entscheiden, welche Gebäude zuerst saniert werden sollten, wie die Arbeiten finanziert werden sollten und wie sich Energieeinsparungen maximieren ließen. In den vergangenen Jahren haben von EUKI finanzierte Projekte den Kommunen genau die Instrumente an die Hand gegeben, die ihnen fehlten: langfristige Sanierungsstrategien, Gebäudesanierungspässe, Finanzierungspläne, Energieaudits und praktische Leitfäden für nachhaltige Sanierungen.

Wissen und Zusammenarbeit sind der Schlüssel
Im Rahmen von „Climate Action Buildings“ entwickelten fünf rumänische Kommunen ihre ersten langfristigen Sanierungsstrategien. Das Projekt zeigte anhand der Erstellung von fünf Gebäudesanierungspässen, wie Sanierungen systematisch geplant werden können. Dadurch wurden vereinzelte Reparaturen vermieden und gleichzeitig praktische Leitlinien bereitgestellt, die es anderen Kommunen ermöglichten, denselben Ansatz zu übernehmen. Gleichzeitig sorgte die Zusammenarbeit mit Partnern aus Bulgarien dafür, dass sich erfolgreiche Lösungen über die lokalen Grenzen hinaus verbreiteten.
Gute Pläne benötigen auch verlässliche Informationen. In der rumänischen Region Dobrudscha erstellte EDAPHIC-BLOOM Danube eine regionale Energieeffizienzkarte, die 126 öffentliche Verwaltungen umfasste. Zum ersten Mal konnten die Kommunen ihre Entscheidungen auf umfassende Daten statt auf Annahmen stützen. An zehn öffentlichen Gebäuden wurden Energieaudits durchgeführt, um die Bereiche mit dem größten Einsparpotenzial zu ermitteln. Zudem wurde ein integrierter Aktionsplan erstellt, um die technischen Erkenntnisse in praktische Empfehlungen umzusetzen. Im Rahmen des Projekts wurden außerdem 60 Fachleute aus dem Bauwesen nach dem international anerkannten „Passivhaus-Standard“ geschult, was dazu beitrug, den Mangel an qualifizierten Experten für hochwertige Sanierungen zu beheben.

Von der Planung bis zur Umsetzung
Planung ist wichtig, aber Kommunen benötigen zudem Finanzmittel und das nötige Selbstvertrauen, um sich im immer komplexer werdenden europäischen Rechtsrahmen zurechtzufinden. Hier hat Renocally den entscheidenden Beitrag geleistet. Acht weitere Gebäudesanierungspässe und fünf kommunale Finanzierungsstrategien lieferten den lokalen Behörden in Rumänien technische und finanzielle Leitfäden für künftige Investitionen. Schulungsveranstaltungen halfen den Kommunen, die neuesten europäischen Anforderungen zu verstehen und die Sanierungsplanung in regionale Energie- und Klimastrategien zu integrieren. Dies erleichterte die Sicherung von Finanzmitteln für ambitionierte Sanierungsprojekte.
Selbst die besten Strategien sind nur dann erfolgreich, wenn die lokalen Verwaltungen über die erforderlichen Kompetenzen verfügen, um sie umzusetzen. Im Rahmen von MENERGERS stärkten 30 rumänische Kommunen ihre Kapazitäten im Energiemanagement, während eine nationale Kommunikationsplattform Kommunen, Experten und Entscheidungsträger aus verschiedenen Sektoren miteinander vernetzte. Städte wie Alba Iulia, Sfântu Gheorghe und Zalău führten ein professionelles kommunales Energiemanagement ein, wodurch die Energieüberwachung verbessert und sowohl der Energieverbrauch als auch die Kosten gesenkt wurden. Der im Rahmen des Projekts erstellte rumänische Leitfaden zur Energieeffizienz ermöglicht es nun anderen Kommunen, diese Ansätze zu übernehmen.
Von Energiearmut zu Sanierungsstrategien
Schließlich half SURF Mitarbeitern der Kommunalverwaltungen in Rumänien dabei, das Wissen in die tägliche Praxis umzusetzen. Durch die Vorstellung von 21 erfolgreichen europäischen Beispielen für nachhaltige Sanierung, kreislauforientiertes Bauen und umweltorientierte öffentliche Beschaffung versorgte das Projekt die Kommunen mit praktischen Checklisten, Informationsblättern und Leitfäden, die die Umsetzung komplexer Sanierungsprojekte erleichtern. Anstatt Lösungen neu zu erfinden, können die Kommunen nun auf erfolgreiche Erfahrungen aus ganz Europa zurückgreifen.
Das Ergebnis geht über die Sanierung einzelner Gebäude hinaus. Die rumänischen Kommunen verfügen nun über bessere Daten, fundierteres technisches Fachwissen, klarere Sanierungsstrategien und eine solidere Finanzplanung. Zusammen ermöglichen diese Instrumente ihnen, Gebäude effektiver zu sanieren, den Energieverbrauch zu senken und Emissionen zu reduzieren. Für die Bürger bedeutet dies mehr als nur die Verwirklichung von Klimazielen. Bessere Gebäude können die Energiekosten senken, den Komfort verbessern und dazu beitragen, eine der drängendsten sozialen Herausforderungen Rumäniens zu bewältigen: die Energiearmut.
Der Übergang zu einem energieeffizienten Gebäudebestand wird noch viele Jahre in Anspruch nehmen. Heute fragen sich viele rumänische Kommunen nicht mehr, ob sie handeln können, sondern wann. Sie verfügen über das Wissen, die Instrumente und die Partnerschaften, um zu entscheiden, wie sie vorgehen wollen, und um jede Sanierung sinnvoll zu gestalten.