Dächer und Vorschriften: Wie Kroatien seine solare Zukunft gestaltet
Kroatien strahlt im Licht der Sonne. Und seine Bevölkerung ist bereit, ihre Strahlen nicht nur für den Tourismus zu nutzen. Jahrelang fehlte es jedoch an den rechtlichen Rahmenbedingungen, um die selbst erzeugte Solarenergie gemeinsam zu nutzen. Genossenschaften, Kommunalbehörden, Projektteams und Fürsprecher ändern dies nun schrittweise. Die Geschichte der Solarenergiegemeinschaften in Kroatien ist noch im Entstehen, doch die Dynamik ist deutlich spürbar.
Bevor es Vorschriften gab, gab es Pioniere
Als das „Clean Energy Package“ der Europäischen Union noch im Entwurfsstadium war, versuchten bereits einige Organisationen in Kroatien, Energiegemeinschaften zum Laufen zu bringen – ohne rechtliche Grundlage. Die Genossenschaft „Green Energy“ (ZEZ) zum Beispiel finanzierte sich durch sporadische Unterstützung von Bürger*innen und baute ein Modell von Grund auf. Gleichzeitig machte sich das EUKI-Projekt „Krk Energy“ daran, die Installation von Solaranlagen in Privathaushalten auf der Insel Krk in der nördlichen Adria auszuweiten. Es schulte Installateure und beriet Bürger, wie eine dekarbonisierte Zukunft für ihre Insel aussehen könnte. Dies waren keine Randerscheinungen. Sie waren der Beweis dafür, dass die Nachfrage bereits bestand, lange bevor die Gesetzgebung nachzog.

Mit dem EU-Recht öffnete sich eine Tür – und EUKI-Projekte nutzten diese Gelegenheit
Die Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED II) und die Richtlinie über den Binnenmarkt für Elektrizität setzten Kroatien strenge Vorgaben: Die EU-Vorschriften zu Energiegemeinschaften mussten in nationales Recht umgesetzt werden. Kroatien hielt diese Frist im Oktober 2021 ein und verabschiedete sowohl das Strommarktgesetz als auch das Gesetz über erneuerbare Energien (RES). Doch Gesetzgebung auf dem Papier entspricht selten der Gesetzgebung in der Praxis. Das Regelwerk Uredbe von 2023 schränkte die zulässigen Rechtsformen stärker ein, als es das EU-Recht vorschrieb. Die Genehmigungsverfahren bei der kroatischen Energieregulierungsbehörde HERA blieben administrativ aufwendig. Am kritischsten war jedoch, dass der Netzbetreiber HEP ODS die Abrechnungsinfrastruktur nicht aufgebaut hatte, die erforderlich war, um den Energietausch zwischen den Mitgliedern der Energiegemeinschaften tatsächlich zu ermöglichen. Der Rahmen war vorhanden – die technische Umsetzung fehlte. Genau hier setzten die EUKI-Projekte an. Solar Adria ermittelte das Solarpotenzial in der gesamten Region und entwickelte Planungsinstrumente sowie Vorlagen zur Machbarkeitsprüfung, die die Kommunen sofort nutzen konnten. „Solardächer im Balkan“ erstellte Roadmaps für lokale Energiegemeinschaften, schulte kommunale Mitarbeiter und mobilisierte Bürger sowie kleine Unternehmen – am deutlichsten sichtbar durch die enge Zusammenarbeit mit der Stadt Poreč im Landkreis Istrien. Dabei handelte es sich nicht um Sensibilisierungskampagnen. Es waren technische und institutionelle Vorarbeiten, die im Vorgriff auf ein System geleistet wurden, das noch nicht vollständig etabliert war.

Die Bewegung aufbauen, die die Politik gestaltet
Das im Dezember 2022 gestartete Projekt „SunSharing – Energiegemeinschaften in Südosteuropa unterstützen“ förderte photovoltaikbasierte Energiegemeinschaften und Crowdfunding-Modelle in Kroatien, Bulgarien, Griechenland und Nordmazedonien. In Kroatien ging das Team noch einen Schritt weiter: Es war Mitbegründer des „Forums für Energiegemeinschaften“. Dieses Forum, das mittlerweile über 18 Organisationen vertritt, hat sich zur zentralen Plattform für die politische Interessenvertretung und die Koordinierung mit Ministerien, der HERA und der HEP ODS entwickelt. Es erstellt praktische Leitfäden für Kommunalverwaltungen, die eigene Energiegemeinschaften gründen möchten. Das EUKI-Projekt „LoGyCo – Gründung lokaler Energiegenossenschaften“ trug zur selben Initiative bei und befähigte Kommunen in Kroatien und Serbien durch Kapazitätsaufbau in rechtlichen, technischen und finanziellen Fragen, zu Energie-Prosumern zu werden. In Zusammenarbeit mit zwei Pilotgemeinden – darunter Ivanić-Grad im Landkreis Zagreb – und im Austausch mit der deutschen Stadt Pfaffenhofen an der Ilm wurden Umsetzungsleitfäden entwickelt, die Kommunalverwaltungen anpassen und anwenden können. Das Ergebnis all dieser Projektvorhaben ist eine Gemeinschaft, die die rudimentären Strukturen nutzten, um Fachwissen, Netzwerke und politische Beziehungen innerhalb für Energiegemeinschaften aufzubauen.
Der aktuelle Stand – und die weitere Entwicklung
Die Änderungen des RES-Gesetzes vom Mai 2025 stellen den bislang bedeutendsten rechtlichen Meilenstein dar: Energiegemeinschaften sind nun offiziell im kroatischen Recht verankert, und das Verfahren zu ihrer Gründung wurde vereinfacht. Seit Anfang 2026 sind vier Gemeinschaften offiziell registriert. Die Zahl ist zwar bescheiden, und das zentrale infrastrukturelle Hindernis – das Abrechnungssystem für die Energieverteilung von HEP ODS – ist nach wie vor ungelöst. Doch das über ein Jahrzehnt hinweg geschaffene Fundament ist solide: geschulte Installateure, gut ausgestattete Gemeinden, ein aktives Forum zur Interessenvertretung, kartiertes Solarpotenzial und Tausende von Bürger*innen, die erlebt haben, wie eine Energiegemeinschaft aussehen kann.
Kroatien begann diesen Weg mit Sonne auf den Dächern und einer rechtlichen Lücke im Hintergrund. Heute schließt sich diese Lücke – langsam, aber mit wachsender zivilgesellschaftlicher Kraft im Rücken. Wenn die Netzinfrastruktur den gesetzlichen Vorschriften entspricht und das Gesetz endlich den Ambitionen der Gemeinden folgt, die den Anfang gemacht haben, wird das Land bereit sein. Die Menschen sind es bereits.