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Landnutzung im Baltikum zum Wohle der Landwirte und des Klimas

Jeden Tag sorgen Landwirte in den baltischen Staaten dafür, dass Lebensmittel auf die Tische in Europa gelangen. Doch ihre Arbeit wird immer schwieriger: Steigende Energiekosten, neue Anforderungen an eine nachhaltige Produktion und die Folgen des Klimawandels stellen viele landwirtschaftliche Betriebe vor große Herausforderungen. Dürren, Starkregen oder Veränderungen der Vegetationsperioden können Ernten gefährden und wirtschaftliche Risiken erhöhen. Gleichzeitig bietet die Landwirtschaft ein enormes Potenzial für den ökologischen Wandel.

 

Agricultural field with rows of plants under a series of solar panels on metal frames in sunny weather

Die baltischen Staaten – Estland, Lettland und Litauen – beherbergen weitläufige und wertvolle Landschaften. Wälder, Feuchtgebiete und landwirtschaftliche Flächen bedecken große Teile der Region, bilden wichtige Ökosysteme und bieten zugleich Möglichkeiten für Klimaschutzmaßnahmen. Landwirte können dabei eine entscheidende Rolle spielen: Durch eine angepasste Landnutzung können sie Emissionen reduzieren, natürliche Kohlenstoffsenken schützen und neue Einnahmequellen erschließen.

Projekte der Europäischen Klimainitiative (EUKI) sorgen dafür, dass Flächen in den baltischen Staaten durch innovative Lösungen klimafreundlich genutzt werden. Mit ihrer Hilfe wandeln Landwirte ihre eigenen landwirtschaftlichen Flächen in grüne Kohlenstoffsenken um, sie schützen ihre Feuchtgebiete und binden so Treibhausgase. In den neu angelegten Biomethananlagen werden Abgase verwertet. EUKI-Projekte entwickeln innovative Lösungen und fördern den Wissensaustausch. Dadurch tragen sie dazu bei, die Interessen von Landwirt*innen, lokalen Gemeinschaften und Klimazielen in Einklang zu bringen. Anstatt Klimaschutzmaßnahmen als zusätzliche Belastung zu betrachten, zeigen diese Ansätze, wie eine nachhaltige Landnutzung sowohl der Umwelt als auch denjenigen, die das Land bewirtschaften, Vorteile bringen kann.

TSE's agricultural canopy. The agricultural canopy is installed on a 3-hectare arable crop area, in an irrigable zone, on sandy-clay loam soil. The rotation includes vegetable crops such as potatoes and beans, protein peas, and cereals (corn, wheat, barley). This installation will produce 2.9 MWp of power.in Brouchy, France on 11 July 2025
Die landwirtschaftliche Überdachungsanlage wurde auf einer 3 Hektar großen Ackerfläche in einem bewässerbaren Gebiet auf sandig-lehmigem Boden errichtet. Die Fruchtfolge umfasst Gemüsekulturen wie Kartoffeln und Bohnen, Eiweißerbsen sowie Getreide (Mais, Weizen, Gerste). Diese Anlage wird eine Leistung von 2,9 MWp erzeugen. ©European Union 25

Doppelte Landnutzung: Landwirtschaft trifft Klimaschutz

Ein vielversprechender Ansatz ist die „doppelte Landnutzung“: die gleichzeitige Nutzung landwirtschaftlicher Flächen für mehr als einen Zweck. Dies ermöglicht es Landwirt*innen, produktives Land zu erhalten und gleichzeitig zusätzliche Vorteile für den Klimaschutz zu schaffen.

Ein Beispiel hierfür ist die Agroforstwirtschaft – die Integration von Bäumen und Sträuchern in landwirtschaftliche Landschaften. Das EUKI-Projekt „Lösungen in der Agroforstwirtschaft – Neue Klimahelden“ unterstützt Landwirt*innen im Baltikum bei der Einführung agroforstwirtschaftlicher Praktiken, die Treibhausgasemissionen senken und gleichzeitig die Bodengesundheit verbessern sowie die landwirtschaftliche Produktivität fördern können. Bäume können dazu beitragen, Böden zu schützen, die Artenvielfalt zu erhöhen und den Bedarf an Kunstdünger zu verringern. Auf dem 70 Hektar großen Pilotgelände „Ilzenbergas Manor“ demonstrierte das Projekt, wie die Anpflanzung von Bäumen in der Praxis in einen landwirtschaftlichen Betrieb integriert werden kann, um Anreize für eine großflächige Einführung der Agroforstwirtschaft zu schaffen.

Ein ähnliches Prinzip gilt für die Kombination von Landwirtschaft mit der Erzeugung erneuerbarer Energien. Landwirtschaftliche Betriebe in ganz Europa stehen vor der Herausforderung, ihren CO₂-Fußabdruck zu verringern und gleichzeitig mit steigenden Stromkosten umzugehen. Solarenergie auf landwirtschaftlichen Flächen kann dabei eine Lösung sein: Landwirtschaftliche Flächen können weiterhin wirtschaftlichen Nutzen erbringen und gleichzeitig sauberen Strom erzeugen.

Das EUKI-Projekt AGRIC – Photovoltaic in der Landwirtschaft voranbringen entwickelt und verbreitet Lösungen, die es Landwirt*innen, auch in Litauen, ermöglichen, Solartechnologien auf ihren landwirtschaftlichen Flächen zu nutzen. Durch die Kombination von Nahrungsmittelproduktion und erneuerbarer Energieerzeugung können landwirtschaftliche Betriebe aktiv zur Energiewende beitragen und neue wirtschaftliche Chancen erschließen.

Group of people standing on a grassy field in front of solar panels and a wind turbine under a clear sky.
Solar Panels © Boris Valach 2025

Unvermeidbare Emissionen in eine Ressource umwandeln

Derzeit lassen sich nicht alle Emissionen vermeiden. Dies gilt insbesondere für Methan, ein Treibhausgas, dessen kurzfristige Auswirkungen auf das Klima weitaus stärker sind als die von Kohlendioxid. Wenn Methanemissionen als Nebenprodukt landwirtschaftlicher oder wirtschaftlicher Aktivitäten entstehen und nicht verhindert werden können, lässt sich ihre Auswirkung auf das Klima durch die Abscheidung und Nutzung des Gases verringern.

Biomethananlagen bieten eine Lösung: Sie fangen Methanemissionen auf und wandeln sie in eine erneuerbare Energiequelle um, wodurch der Bedarf an fossilem Erdgas verringert wird. Das EUKI-Projekt „Integrierter Ansatz zur Reduzierung von Methanemissionen“ trug dazu bei, das Wissen und die Kapazitäten im Bereich der Methanreduzierung in Litauen zu stärken, und unterstützte Bemühungen, die zu Investitionen in die Biomethan-Infrastruktur in Höhe von 16 Millionen Euro führten.

Schutz der natürlichen Kohlenstoffspeichersysteme

Innovative Technologien sind zwar wichtig, doch die Natur selbst bietet bereits wirkungsvolle Klimalösungen. Moore und Feuchtgebiete gehören zu den effektivsten natürlichen Kohlenstoffsenken und speichern große Mengen an Kohlenstoff, die sich über Jahrtausende angesammelt haben.

Viele Torfmoore sind jedoch nicht ausreichend geschützt. Werden sie entwässert oder geschädigt, können sie ihre Fähigkeit zur Kohlenstoffspeicherung verlieren und zu Quellen von Treibhausgasemissionen werden. EUKI-Projekte tragen zur Bewältigung dieser Herausforderung bei, indem sie den Wissensstand verbessern, die Renaturierung unterstützen und wirtschaftliche Anreize für eine nachhaltige Bewirtschaftung schaffen.

Das Projekt „INVESTIGATE – Verbesserung nationaler Treibhausgasinventare für organische Böden und Minderungspotenziale“ analysierte den Zustand und das Treibhausgasspeicherpotenzial von Mooren in Lettland. Diese Erkenntnisse tragen dazu bei, besser zu verstehen, wo Möglichkeiten zur CO2 Minderung bestehen und wie diese in nationale Klimastrategien integriert werden können.

Naturpark Hohes Venn - Eifel photo: Heike Becker
Nature Reserve Hohes Venn – Eifel photo: Heike Becker

Auf dieser Grundlage unterstützen die EUKI-Projekte „Baltische Farmer*innen binden CO²“ und „Paludikultur im Baltikum“ Landwirte dabei, renaturierte Moorgebiete nachhaltig zu nutzen. Durch Ansätze wie die Paludikultur – die produktive Nutzung wiedervernässter Moorgebiete – und neue Finanzierungsmöglichkeiten wie Kohlenstoffzertifikate kann der Schutz von Feuchtgebieten zu einer wirtschaftlich tragfähigen Tätigkeit werden.

Über einzelne landwirtschaftliche Betriebe hinaus unterstützt die EUKI auch den umfassenderen Wandel der Agrarsysteme. Das Projekt „Landcare Europe – Unterstützung des natürlichen Klimaschutzes in Agrarlandschaften“ fördert klimafreundliche Anbaumethoden unter anderem in Litauen und setzt sich dafür ein, diese Ansätze in die europäische Agrarpolitik zu integrieren.

In den baltischen Staaten zeigen EUKI-Projekte, dass nachhaltige Landnutzung nicht zwangsläufig eine Wahl zwischen Landwirtschaft und Klimaschutz bedeuten muss. Durch die Kombination von Innovation, naturbasierten Lösungen und praktischer Unterstützung für Landwirte kann Land zur Grundlage sowohl für widerstandsfähige ländliche Wirtschaftssysteme als auch für wirksame Klimaschutzmaßnahmen werden.