Interview

EUKI Interview mit der Klima- und Wirtschaftsjournalistin Eva Frantová

 Tanja Maximow, GIZ/EUKI

Eva Frantová ist eine slowakische Journalistin aus Bratislava. Sie arbeitet bei der Tageszeitung Denník SME im Wirtschaftsressort und berichtet zu Klima- und Energiethemen. Eva ist Alumni des EUKI Projekts Klima- und Energiestipendium für Journalisten aus Mittel- und Osteuropa, welches von den Internationalen Journalisten-Programmen (IJP) durchgeführt wird. Das Interview fand am Rande des Energy and Climate Media Dialogues in Polen statt.

Portrait Eva Frantová

Portrait Eva Frantová; ©EUKI, 2021

Was waren deine Beweggründe am Energy and Climate Media Dialogue des IJP in Polen teilzunehmen?

In der Slowakei betrifft der Kohleausstieg rund 700 Arbeiter*innen. In Polen ist die Zahl der Betroffenen hingegen wesentlich höher. Zudem hängt ein Großteil der polnischen Energieversorgung von Kohle ab. Schon seit längerer Zeit wollte ich über die Situation in Polen recherchieren und herausfinden, welche Projekte sie für den Kohleausstieg geplant haben und welche Umschulungsprogramme das Land für die ehemaligen Beschäftigten auf den Weg bringen will. Auch interessieren mich die Energiealternativen, mit denen Polen den Wegfall der Kohle ausgleichen will. Werden es erneuerbare Energien oder nukleare Energie? Um das herauszufinden, bin ich nach Polen gereist.

Du kommst aus dem Wirtschaftsjournalismus – wie bist du Teil des IJP-Klimaprogramms geworden und was hast du für Erfahrungen gesammelt?

Ich bin durch einen Kollegen auf das Programm aufmerksam geworden. Damals habe ich noch als Redakteurin für verschiedene Zeitungen in der Slowakei gearbeitet. Da ich gerne Menschen aus der ganzen Welt treffe und Kontakte zu anderen Journalist*innen aufbaue, habe ich mich für das Stipendium beworben. 2019 bin ich dann für zwei Monate nach Berlin gegangen und habe in der Wirtschaftsredaktion der deutschen Tageszeitung Die Welt gearbeitet. Nebenbei habe ich für slowakische Zeitungen wie das slowakische Forbes-Magazine über die Klimaproteste in Berlin berichtet.

„Als ich in die Slowakei zurückkehrte, änderte ich meine berufliche Laufbahn komplett. Ich fing an, im Wirtschaftsressort zu arbeiten und über Klima- und Energiethemen zu berichten. Im Grunde hat das IJP-Stipendium meine Karriere verändert.“

Wie haben dich das IJP-Programm und die Arbeit bei Die Welt beruflich beeinflusst?

Neben meiner Arbeit bei Die Welt fanden während meines Aufenthalts verschiedene Seminare und Netzwerkveranstaltungen statt, auf denen ich Menschen traf, die sich auf unterschiedlichste Weise mit den Fragen und Folgen des Klimawandels auseinandersetzen. Durch diesen Austausch wurde mir bewusst, wie wichtig es ist, Klimathemen zielgruppengerecht zu kommunizieren. Als ich in die Slowakei zurückkehrte, änderte ich meine berufliche Laufbahn komplett. Ich fing an, im Wirtschaftsressort zu arbeiten und über Klima- und Energiethemen zu berichten. Mittlerweile bin ich in unserer Zeitung verantwortlich für die Themen Klima, Klimawandel und Energie. Im Grunde hat das IJP-Stipendium meine Karriere verändert.

Was sind die aktuellen Themen im Zusammenhang mit dem Klimawandel in der Slowakei?

Viele Bereiche, die der Klimawandel beeinflussen wird, beschäftigen momentan die slowakische Bevölkerung. Zunächst stellt sich die Frage, woher wir unsere Energie gewinnen wollen. Die Slowakei bezieht den Großteil ihrer Energie aus Kernkraft. Aktuell findet eine Debatte statt, ob Atomkraft weiterhin als die hauptsächliche Energiequelle verwendet werden soll. Ich denke, dass Gas und Kernkraft vorerst bleiben werden, weil es sehr schwierig sein wird, die gesamte Energie sofort aus erneuerbaren Energien zu gewinnen.
Auch der Ausstieg aus der Kohle ist bereits in vollem Gange. Die Slowakei hat beschlossen, bis 2023 die Verbrennung von Kohle zu beenden. Es werden Gelder aus dem Just Transition Fund und dem Modernisierungsfonds verwendet, um die Kohleregionen beim Ausstieg und die Menschen bei einer Umschulung finanziell zu unterstützen.
Ein weiterer entscheidender Punkt ist die Wirtschaft. Viele deutsche Automobilunternehmen haben ihren Sitz in der Slowakei. Das BIP der Slowakei ist fast vollständig vom Automobilsektor abhängig. Die Elektrifizierung von Autos wird die Autoindustrie vor große Herausforderungen stellen, denn die gesamte Branche muss vom Verbrennungsmotoren auf Elektroautos umschwenken. Und dieser Strukturwandel macht auch vor den Unternehmen, die in der Slowakei Autos und Zulieferteile herstellen, nicht halt. Auch sie müssen sich umstellen.
Im Rahmen des Fit for 55 Pakets wird das Emissionshandelssystem für den Gebäudesektor diskutiert. Das beinhaltet u.a. die energieeffiziente Renovierung von Gebäuden. Wir werden etwa eine halbe Milliarde Euro aus dem Konjunkturprogramm für den Wiederaufbau von Familienhäusern verwenden.

Vielen Dank für das Interview.