Interview

EUKI Projekt-Interview: Living Streets

 GIZ/EUKI

Für unsere EUKI-Broschüre haben wir mit Kinga Kovacs von Energy Cities über das EUKI-Projekt Living Streets gesprochen. Das Projekt zielt darauf ab, Bürger*innen aus Griechenland, Portugal und Kroatien bei der Lösung von Energie- und Klimafragen in ihren Gemeinden mit einzubeziehen und teilhaben zu lassen. Das Interview ist Teil der im August 2021 veröffentlichten EUKI-Broschüre.

Portrait Kinga Kovacs

Portrait Kinga Kovacs, ©️Energy Cities

Worum geht es bei dem „Living Streets“-Projekt?

„Living Street“ ist ein Konzept, das im belgischen Gent in einem Co-Creation-Workshop mit Bürger*innen entwickelt wurde und vom Projekt in Kroatien, Griechenland und Portugal umgesetzt wird. Dabei wird eine Straße oder ein öffentlicher Platz für zwei Monate für den Verkehr gesperrt. Während dieser zwei Monate sind die Anwohner*innen, aber auch Ladeninhaber*innen, Schulkinder – einfach alle – eingeladen, die Straße nach ihren Wünschen zu gestalten. Wir wollen die Stadt von morgen schon heute spürbar machen. Konkret bedeutet dies, dass wir mit NROs, Bürgervereinen und lokalen Behörden in Kroatien, Griechenland und Portugal zusammenarbeiten und ihnen dabei helfen, „Living Streets“ umzusetzen.

Welche Ziele verfolgen Sie?

Wir wollen herausfinden, wie sich unser tägliches Leben organisieren lässt, wenn wir weniger mit dem Auto fahren als heute üblich. Wir finden Lösungen, indem wir Menschen zusammenbringen und sie einladen, den für sie idealen öffentlichen Raum mitzugestalten. Dabei stellen wir immer wieder die Frage „Was wäre, wenn?“: Was wäre, wenn unsere Straßen mit Gras bedeckt wären? Was wäre, wenn ich mit meinen Nachbar*innen auf der Straße frühstücken könnte? Was wäre, wenn statt Autolärm das Lachen von Kindern zu hören wäre?

„Wenn Klimaschutzmaßnahmen von außen aufgezwungen werden, funktionieren sie nicht. Man muss den Menschen die Möglichkeit geben, sich zu engagieren.“

Warum ist die Bürgerbeteiligung so wichtig für Klimaschutzprojekte?

Wenn Klimaschutzmaßnahmen von außen aufgezwungen werden, funktionieren sie nicht. Man muss den Menschen die Möglichkeit geben, sich zu engagieren. In unserem Projekt können Bürger*innen mit dem öffentlichen Raum experimentieren und erleben, welche Auswirkungen die Maßnahmen haben, die sie selbst mitgestaltet und umgesetzt haben. Manchmal stellen die Teilnehmenden fest, dass ihre ursprüngliche Vorstellung von der Umgestaltung ihrer Straße nicht funktioniert. Dann können sie ihre Ideen aber anpassen und mit anderen Konzepten experimentieren. Wenn die Bürger*innen auf diese Weise in den Planungsprozess eingebunden werden, entwickelt sich der Klimaschutz aus der Gesellschaft heraus, ohne von oben angeordnet zu werden. Wenn die Menschen selbstbestimmt handeln können, statt von Behörden Vorschriften zu bekommen, wird der Klimaschutz von der Bevölkerung wirklich unterstützt.