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Straßen, Räder und E-Ladestationen: Kroatiens Weg zu grünem Verkehr

Kroatien bewegt sich Richtung nachhaltige Mobilität. Dazu sind schon verschiedene Maßnahmen ergriffen worden: Straßensperrungen für den Autoverkehr, Schulungen für Stadtplaner*innen oder Ermittlung von Standorten, an denen E-Ladestationen tatsächlich genutzt werden können. 2023 schließlich – die Verabschiedung der ersten nationalen Fahrradstrategie in Südosteuropa. Nichts davon geschah über Nacht, und nichts davon geschah zufällig. EUKI-finanzierte Projekte haben seit Jahren die Grundlagen dafür geschaffen – Schritt für Schritt, Stadt für Stadt, Plan für Plan.

Bicycles in the city

Wenn die Sperrung einer Straße den Dialog fördert

Heute brauchen Städte Pläne für nachhaltige urbane Mobilität (englisch: SUMPs), um Fördermittel aus dem EU‑Kohäsionsfonds zu erhalten. Der Fonds ist ein Fördertopf der Europäischen Union, der ärmere Regionen beim Ausbau ihrer Infrastruktur und beim Klimaschutz unterstützt. Lange bevor die SUMPs zu einer formellen Voraussetzung für den Zugang zum Fonds wurden, bereitete EUKI kroatische Kommunen darauf vor.

Das Projekt „Living Streets“ führte eine auf den ersten Blick einfache Idee ein: Ausgewählte Straßen sollten für einige Wochen für den motorisierten Verkehr gesperrt werden, um die Bürger*innen einzuladen, zu erleben, wie sich ein autofreies Stadtviertel anfühlen könnte. Die Anwohner*innen konnten das Radfahren ausprobieren, sich mit lokalen Klima- und Energieinitiativen austauschen und – was entscheidend war – mitbestimmen, wie ihr öffentlicher Raum genutzt wurde. Der partizipative Ansatz war ebenso wichtig wie das praktische Experiment. In einem politischen Umfeld, in dem die Bürger*innen bei der Neugestaltung von Städten in der Planungsphase selten einbezogen wurden, zeigte „Living Streets“ einen anderen Ansatz auf und trug zur wachsenden Dynamik bei, kroatische Städte von Grund auf neu zu überdenken.

Making use of parking slots in Porec
Zweckentfremdung von Parkplätzen in Porec ©Stadt Porec
Making use of parking slots in Porec ©City of Porec
Mehr Zweckentfremdung von Parkplätzen ©Stadt Porec

EU-Vorgaben in lokale Maßnahmen umsetzen

Der Beitritt Kroatiens zur EU 2013 brachte einen bedeutenden Wandel mit sich: Die Kohäsionsmittel waren an Auflagen geknüpft, und SUMPs wurden zu einer praktischen Voraussetzung für Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr, die Fahrradinfrastruktur und intelligente Verkehrssysteme. Einen Plan auf dem Papier zu haben, war eine Sache; zu wissen, wie man einen solchen Plan verfasst, umsetzt und in eine umfassendere Klimastrategie einbettet, eine andere. Das EUKI-Projekt „Climasum“ schloss genau diese Lücke und integrierte Klimaschutz in städtische Mobilitätsplanung durch gezielte Schulungen und eine strukturierte Zusammenarbeit zwischen nationalen und lokalen Behörden. Die Ergebnisse waren greifbar: Bis zu 18 kroatische Gemeinden unterzeichneten eine Charta, in der sie sich zur Förderung des SUMP-Prozesses verpflichteten. Städte wie Križevci, Labin und Brdovec sind seitdem dem Bürgermeisterkonvent beigetreten – einem europäischen Netzwerk lokaler Gebietskörperschaften, die sich zu konkreten Klima- und Energiemaßnahmen verpflichten. Dies waren keine symbolischen Gesten. Es handelte sich um Gemeinden, die eine öffentliche, überprüfbare Verpflichtung für eine kohlenstoffarme Mobilitätszukunft eingingen.

CLIMASUM Summer School © Photo: CLIMASUM
CLIMASUM Summer School © Photo: CLIMASUM

Von der wissenschaftlichen Grundlage zur nationalen Strategie: Durchbruch im Radverkehr

2023 verabschiedete Kroatien als erstes Land in Südosteuropa eine nationale Radverkehrsstrategie. Das Dokument sieht Radfahren als Verkehrsmittel für den täglichen Pendelverkehr sowie Reisen vor und strebt gleichzeitig wesentliche Verbesserungen der Sicherheit für Radfahrer*innen an. Der Weg zu diesem Meilenstein führte unter anderem über die Stadt Velika Gorica und das EUKI-Projekt „Cyclurban“. Auf lokaler Ebene untersuchte „Cyclurban“, wie das Radfahren – einschließlich E-Bikes und Lastenräder – in die zukünftige Stadtplanung integriert und seine Nutzung sinnvoll gefördert werden könnte. Die im Rahmen des Projekts erarbeiteten wissenschaftlichen Erkenntnisse und politischen Empfehlungen flossen direkt in den Prozess zur Entwicklung der nationalen Strategie ein. Cyclurban war zwar nicht der einzige Faktor, doch sein Beitrag war unmittelbar und dokumentiert. Unterdessen schlug das Projekt „Ready4NetZero“ in Ivanić-Grad einen ergänzenden Weg ein: Neben neuer Fahrradinfrastruktur wurden Ladestationen für Elektrofahrzeuge installiert und ein Fahrradverleihsystem eingeführt, was verdeutlicht, dass der Wandel hin zu nachhaltiger Mobilität nicht nur eine Frage der Planung, sondern auch der Infrastruktur ist – und dass kleine Städte dabei eine Vorreiterrolle übernehmen können.

Weichenstellung für die neuen gesetzlichen Anforderungen

Der Übergang zu Elektrofahrzeugen hat sich seit 2023 stark beschleunigt. Zum Teil ist die Entwicklung auf das „Fit for 55“-Paket der EU und ganz konkret auf die Verordnung über die Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (AFIR) zurückzuführen. AFIR schreibt den großflächigen Ausbau von Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge in allen Mitgliedstaaten verbindlich vor. Kroatien unterliegt nun diesen Anforderungen. Grundlagen für deren Erfüllung wurden jedoch bereits früher gelegt, und zwar durch das EUKI-Projekt Alpe-Adria Clean Transport Alliance (AaCTA). Es baute zwischen 2020 und 2022 ein grenzüberschreitendes Netzwerk von Entscheidungsträgern aus Kroatien, Montenegro, Slowenien und Österreich auf. Das praktischste Ergebnis des Projekts war ein Planungstool: Mit der AaCTA-Toolbox konnten Kommunalbehörden genau berechnen, wo neue Ladestationen am stärksten genutzt würden und am kosteneffizientesten wären. Eine solche evidenzbasierte Standortwahl ist von enormer Bedeutung in einem Land, in dem die öffentlichen Investitionen in die E-Auto-Infrastruktur noch hinter der Nachfrage zurückbleiben. AaCTA wartete nicht darauf, dass die AFIR den Ausbau verbindlich vorschrieb – sie gab den Kommunen die Werkzeuge an die Hand, um bereits vor Inkrafttreten der Verordnung zu handeln.

Kroatiens Straßen haben sich noch nicht grundlegend verändert. Der systemische Wandel hin zu umweltfreundlichem Verkehr – in einem Land, in dem die Abhängigkeit vom Auto nach wie vor hoch und die Investitionen in die Infrastruktur ungleichmäßig verteilt sind – ist noch im Gange. Doch die Grundlagen sind vorhanden: ausgebildete Planer*innen, engagierte Kommunen, eine nationale Radverkehrsstrategie, grenzüberschreitende Abrechnungsinstrumente und Städte, die ihren Einwohner*innen bereits gezeigt haben, wie sich eine andere Art von Straße anfühlen kann. Die Rechtsvorschriften holen nun die Vorarbeit ein.