Interview

EUKI Projekt-Interview: Energiewendedialog in Mittelosteuropa

 GIZ/EUKI

Für unsere EUKI-Broschüre haben wir mit Alexandru Mustata von CEE Bankwatch Network über das EUKI-Projekt Energiewendedialog in Mittelosteuropa gesprochen. Das Projekt zielt darauf ab, politische und öffentliche Narrative in den mittel- und osteuropäischen Ländern zu verändern, indem positive Perspektiven für die Chancen der Energiewende aufgezeigt werden. Das Interview ist Teil der im Jahr 2021 veröffentlichten EUKI-Broschüre.

Portrait Alexandru Mustata

Alexandru Mustață ©CEE Bankwatch Network

Worum genau geht es bei diesem Projekt?

Wir versuchen, unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten, das Konzept der Energiewende auf Mittel- und Osteuropa zu übertragen. Dies bedeutet zuerst einmal, dass man sich darüber bewusst ist, dass sich sowohl das politische als auch das gesellschaftliche Narrativ zur Energiewende in Mittel- und Osteuropa von dem in westeuropäischen Ländern unterscheidet. Man bekommt sehr oft zu hören „Das ist zu teuer für uns“ oder „Wie können Sie von intelligenten Stromnetzen reden, wenn Tausende von Menschen in Bulgarien, Rumänien und Ungarn keinen Zugang zu Strom haben?“ Darauf erwidern wir, dass gerade die Energiewende die Antwort auf dieses Problem ist, weil dadurch die Effizienz gesteigert, der Strom billiger und die mangelnde Stromversorgung reduziert werden.

Wir versuchen, sowohl den Bürger*innen als auch den Politiker*innen zu verdeutlichen, dass die Energiewende möglich und bezahlbar ist – und sie sogar günstiger ist, als mit staatlicher Förderung veraltete Technologien, wie beispielsweise Kohle, künstlich am Leben zu erhalten. Wir heben die positiven Aspekte der Energiewende hervor und betonen, dass die Energiewende schrittweise erfolgen kann, niemand dabei auf der Strecke bleiben muss und die Gesellschaft davon profitieren kann – und das nicht nur in Bezug auf das Klima, sondern auch im Hinblick auf Arbeitsplätze und den Lebensstandard

„Wir versuchen, sowohl den Bürger*innen als auch den Politiker*innen zu verdeutlichen, dass die Energiewende möglich und bezahlbar ist – und sie sogar günstiger ist, als mit staatlicher Förderung veraltete Technologien, wie beispielsweise Kohle, künstlich am Leben zu erhalten.“

Sie erwähnen, dass in Ihren Schwerpunktländern viele Menschen die Energiewende eher als ein Problem statt als Chance begreifen. Das ist auch in anderen europäischen Regionen der Fall. Was kann die EUKI-Community von Ihnen lernen?

Am wichtigsten ist, sich mit den unmittelbar vom Kohleausstieg betroffenen Menschen zu treffen und mit ihnen zu sprechen und auch diejenigen in das Gespräch einzubeziehen, die traditionell nicht an den Entscheidungsprozessen in den jeweiligen Hauptstädten und in Brüssel beteiligt sind. So haben wir zum Beispiel gemeinsam mit den Kohlegewerkschaften in Bulgarien eine Konferenz organisiert. Natürlich ist das keine einfache Beziehung, und gewiss bestehen manchmal Spannungen zwischen den verschiedenen Interessensgruppen. Lösungen lassen sich aber nur gemeinsam mit den Menschen finden, die in diesen Regionen leben und völlig zu Recht Angst vor der Energiewende haben, wenn man bedenkt, dass es hier in den letzten Jahrzehnten viele schmerzhafte Umbrüche gegeben hat. Wir suchen eine gemeinsame Basis mit ihnen, egal wie klein diese auch sein mag. Wir freuen uns, dass die Akzeptanz langsam, aber sicher wächst und der Dialog einfacher wird.